Nein! 5 Strategien für Dich und Dein Wichtigstes Wort

Buch Review: Bachelor of Time
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15. Mai 2021
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Neon Yes - No

Du hast Spaß an deinem Job, bist erfolgreich – nett und freundlich sowieso. Privat hilfst du, wo Hilfe gebraucht wird. Selbstverständlich. Umgekehrt ist das ja auch nicht anders. Jetzt hast du zusätzlich neben deinem Vollzeitjob ein Studium angefangen. Aber das ist kein Problem, denn du bist super organisiert.

Es läuft, oder?

Die ersten paar Monate gehen rum und immer mehr merkst du, wie anstrengend das eigentlich ist – all die Anforderungen nebeneinander auf die Kette zu bekommen und dabei erfolgreich zu studieren. Irgendwas ist anders als vorher und es ist irgendwie auch mehr als nur die fehlende Zeit.

Berufsbegleitend Studierende müssen neben Job und Freizeit/Familie zusätzlich ein Studium unterbringen. Dies funktioniert nur, wenn an den richtigen Stellen die Entscheidung für das Studium und gegen etwas anderes getroffen wird. Genau deswegen ist es wichtig, nein sagen zu lernen.

Eine gute Organisation ist die Voraussetzung dafür, dass keine wichtigen Themen vergessen werden und alles effizient bearbeitet wird. Damit ist der erste Teil des Zeit-Problems erledigt. Dieser Artikel betrachtet den zweiten Teil des Problems: ein Thema zusätzlich (dein Studium) in den 24h Stunden unterbringen. Du erfährst, warum ein fehlendes Nein für dich zum Problem werden könnte. Und du lernst Strategien, die dir helfen, deine Zeit gegen unnötige Störenfriede abzusichern.

Teil zwei deines Problems – dein Tag hat nur 24h

Dieser Teil wird einem meist erst dann bewußt, wenn es fast schon zu spät ist (und du kurz vor dem Burnout stehst – oder eben mitten drin). Und nur weil es „geht“ und irgendwo in deinem Terminkalender noch etwas hineingequetscht werden kann, heißt nicht, dass du das auch tun solltest.

Es geht also nicht nur um die Frage „Wie bekomme ich alle meine Aufgaben gut sortiert?“, sondern „Was muss ich eigentlich wirklich tun? Und wie werde ich den unnötigen Kram los?“.

In erster Linie musst du nämlich dafür sorgen, dass deine wichtigste Ressource über den Zeitraum deines Studiums nicht kaputt gemacht wird (Zerstören wollte ich jetzt nicht schreiben, ist aber auch nicht ganz falsch).

Deine wichtigste Ressource bist übrigens DU.

Damit wir auch beide wissen, worum es hier genau geht, gucken wir mal auf eine Woche. Ich habe dir eine „normale“ 40h Woche plus Studium aufgemalt. Wie deine Woche dabei genau aussieht, ist gar nicht so wichtig, denn die zeitliche Aufteilung wird grob ähnlich sein – wenn auch vielleicht mit anderen Zeitfenstern.

Wo ist jetzt das Problem?

Dass du weniger Zeit hast, das hast du schon selbst gemerkt. Aber schau dir mal in der Übersicht an, wo du noch Zeit für dich hast. Für Regeneration? Natürlich schaffst du es noch, den Einkauf, den Arzttermin, deine Familie und Treffen mit Freunden einzuplanen und auch wahrzunehmen.

Aber dann sind 100% deiner Zeit verplant. Organisatorisch super. Für dich – langfristig – nicht so gut.

Befragt man google-trends, so wird die Stichwortkombination „Burnout-Studium“ pro Monat 5-10.000mal gesucht. So häufig, dass es mittlerweile Ratgeber für Studenten zum Thema Burnout gibt.

Dies soll kein Ratgeber für Stress oder Burnout werden, dafür bin ich nicht qualifiziert. Aber ich weiss, wie wenig Zeit man als berufsbegleitende Student:in hat, wie hoch die Anforderungen sind und was du tagein, tagaus abliefern musst. Und das über Jahre hinweg.

Damit es dir leichter fällt, ein paar Freiräume für DICH zu schaffen, stelle ich dir hier die Strategie des „Nein sagen“ vor.

Lustige Nebeninfo: es gibt mehr Ratgeber zur „Nein sagen“ Strategie als es allgemeine Ratgeber für deine Abschlussarbeit gibt. Und die erstgenannten haben alle eine Bewertung über 4 Sterne, was man für die Zweitgenannten nicht sagen kann.

Also los geht’s.

No
Wooden cubes with text no on a red background. Negative answer concept. No risk, no violence or no discrimination concept.

5 Strategien, damit dir ein Nein! dein Leben leichter macht

Strategie #1 – Nein! als Standardeinstellung

Hast du dich schon einmal dabei beobachtet, wenn jemand mit einer Bitte an dich herantritt? Auf der Arbeit – die eine kleine Zusatzaufgabe? Die kannst du doch noch erledigen, oder?

Das Problem: Bei den meisten Menschen herrscht die Standardeinstellung, dass sie Ja! sagen müssen, wenn sie um etwas gebeten werden. Vor uns selber müssen wir erst gute Gründe finden, warum wir ablehnen dürften. Eigentlich erwartet der gute Ton ein „Ja!“ bzw. die Gesellschaft. Das muss aber nicht so sein. Dies ist übrigens die größte Hürde zum Nein sagen.

Dein To-Do: Versuche deine Grundeinstellung von „Ja!“ auf „Nein!“ zu ändern.

Das heisst nicht, dass du ab jetzt alle Anfragen sofort ablehnen sollst. Du sollst nur deine Denkweise dazu ändern und nicht in die „Ja!“-Falle tappen.

To-Do 2: Wenn jemand mit einer Bitte auf dich zukommt, die deine Zeit einschränkt oder dir eine zusätzliche Aufgabe aufbrummt, gehe in die Prüfung ausgehend von deiner neuen Standardantwort: NEIN! Die Prüfung kennst du schon aus dem Beitrag Digitaler Minimalismus.

  • Es reicht nicht nur IRGENDEIN Grund, das Gewünschte zu tun.
  • Der Grund DAFÜR muss so groß sein, dass es die potentiellen negativen Auswirkungen auf anderer Ebene ausgleicht.

Strategie #2 – Innere Hilfestellung – von dir an dich

Deine Grundeinstellung von Ja! auf Nein! zu ändern ist nicht einfach. Schon gar nicht, wenn es Gegenwehr gibt. Schließlich verhältst du dich jetzt (grundlos) anders als vorher und es ist nicht mehr so einfach, etwas auf dir abzuladen. Dabei war das doch so lange so einfach. Beim ersten Nein! wird daher jeder einmal zusammenzucken, weil sie ihr Ziel nicht mehr sofort erreichen.

Deswegen musst du vorbereitet sein. Denke immer daran, dass ein Ja! zu jemand anderem ein Nein! zu dir bedeutet. Das ist vielleicht etwas überspitzt dargestellt und es gibt auch bestimmt eine Grauzone, wo ein Ja! zu jemandem anders auch ein Ja! für dich bedeutet. Aber das wird vermutlich nicht der Normalfall sein.

Dein To-Do: Nimm dir einen Augenblick Zeit und versetze dich in eine Situation, wo du immer auf jede Bitte mit Ja! antwortest. Denke wirklich darüber nach und versuche die Situation nachzuvollziehen.

Stelle dir dann die folgenden Fragen:

  • Wie geht es dir dabei?
  • Was ist aus deinen Zielen geworden? Beruflich, Privat, Studium?
  • Wie sieht die Situation der Bittenden aus?
  • Wenn du über diese Dinge nachgedacht hast, würdest du immer noch sofort Ja! sagen?
  • Lass diese Gedanken ruhig ein paar Tage kreisen. Stell dir eine Erinnerung ein, zu diesem Punkt zurückzukehren. Beantworte die Fragen erneut.

Info: Es geht natürlich nicht darum, immer und überall Nein! zu sagen. Schließlich willst du nicht als Eremit in der Einsamkeit enden und für manche Menschen machst du das eine oder andere bestimmt gerne. Aber bitte verliere dich dabei nicht aus den Augen.

Strategie #3 – Mach dir das Nein! so leicht wie möglich

Mit gesellschaftlichen Erwartungen geht es auch gleich weiter. Wenn du schon Nein! sagst, dann musst du wenigstens eine gute Begründung liefern. Denn wenn du einen Begründung (oder eine Ausrede) für dein Nein! lieferst, dann gibt es potentiell die Möglichkeit, Gegenargumente zu finden.

Die Diskussion danach macht keinen Spaß. Aber musst du wirklich eine Begründung liefern? Natürlich nicht.

Dein To-Do: Die Bitte hat deiner Prüfung aus Strategie #1 nicht standgehalten? Dann sag Nein! Einfach nur Nein. Gib keine Begründung!

Das Schwierige: Diese Situation ist schwer auszuhalten. Das bedarf regelmäßigem Training. Aber wenn du gelernt hast, die fragenden Blicke auszuhalten und auf Nachfragen keine Begründung zu liefern, sondern nur beim Nein! zu bleiben, dann ist das eine schnelle Methode zum Erfolg (und zu deiner Freiheit). Es geht halt einfach nicht. Punkt.

Strategie #4 – Sei gerüstet für die Hartnäckigen

Du hast die Bitte abgelehnt und hast keine Begründung gegeben. Soweit so gut. In vielen Situationen sind Menschen nicht auf Konfrontation aus und in diesen Fällen ist auch alles gut. Aber es gibt so einen Typ Mensch – vor allem, wenn er dein Nein! noch nicht kennt – der lässt nicht locker. Wenn du in diesem Fall noch eine Begründung geliefert hättest, dann würde gegen alles ein Gegenargument geliefert werden, so dass du ja keinen Grund mehr hast, Nein! zu sagen.

In diesen Fällen hilft es, genau diese Einstellung der Hartnäckigen anzusprechen. Darauf kannst du dich vorbereiten, denn das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, so jemandem wirst du über kurz oder lang begegnen. Und häufig sind das dann auch noch die Bitten, die dich Abends Überstunden machen lassen, während genannte Kolleg:in fröhlich in den Feierabend stapft.

Dein To-Do: Hab die (platte) Antwort so oder so ähnlich sofort parat. „Sie möchten mich anscheinend auf jeden Fall umstimmen, damit ich Ja! sage. Das mache ich heute aber nicht.“

Das Schwierige: Mit einer einzigen nachdrücklichen Absage ist es bei den Hartnäckigen leider nicht getan. Vor allem beim ersten Mal wird das eine schwierige Konversation. Dafür weiß die betreffende Person aber für später, dass nicht alles bei dir abgeladen werden kann. Lass dich auf keine Diskussionen ein und halte durch.

#5 – Antworte nie sofort – auch wenn du Ja! sagst

Du bist noch nicht bereit, von jetzt auf gleich auf ein Nein! umzuschwenken? Das ist vollkommen in Ordnung. Fang klein an und lass dir etwas Zeit bevor du Ja! sagst. Dein Gegenüber muss erkennen, dass für die Beantwortung der Bitte ein Entscheidungsprozess notwendig ist – der potentiell auch in einem Nein! enden könnte. Dadurch machst du dir und auch deinem Gegenüber klar, dass deine Zeit etwas wert ist. Lass dein Gegenüber etwas zappeln.

Ob Ja! oder Nein!, die Bitte, und die Erledigung selbiger, haben dank dieser Pause einen höheren Stellenwert. Unterschätze dies nicht.

Dein To-Do: Durchatmen und überlegen bevor du Anfragen und Bitten beantwortest.

Organisation im Studium – die Lösung für Teil 1 des Problems

Zum Thema Organisation findest du auf dem Blog bereits einige Artikel, die dir dein Leben leichter machen:

Natürlich werden noch viele Weitere folgen.

Ein Fazit mit Unterstützung von James Clear

James Clear fasst das Zeitproblem passend mit folgendem Zitat zusammen:

„Saying No! saves you time in the future.
Saying Yes! costs you time in the future.

No! is like a time credit. You can spend that block of time in the future.
Yes! is a time debt. You have to repay that commitment at some point.

No! is a decision.
Yes! is a responsibility.“

— James Clear

Auch wenn es nicht explizit für berufsbegleitend Studierende gedacht ist, so passt es doch zu kaum einer Situation so gut wie zu dieser.

Egal wie du dich entscheidest, ob du in einer Härtesituation mit Hilfeanfragen überhäuft wirst, du generell den Kürzeren ziehst oder einfach nur zu viele Gefallen auf einmal kommen: es ist deine Zeit. Du entscheidest, was damit passiert.

Beste Grüße
Patricia

P.S.: Es versteht sich von selbst, dass bei Gesprächen mit deinem Chef ein wenig Fingerspitzengefühl oder einfach das Ja! angebracht ist. Aber wer weiss, vielleicht hast du auch da ein bisschen Spielraum für deine Freiheit!


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