System oder smarte Ziele: Dein Weg zu Erfolg im Studium

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Donnerstag morgen 8 Uhr am Arbeitsplatz. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, der Kaffee dampft leise vor sich hin. Der Tag wartet nur darauf, in Angriff genommen zu werden. Und die Vorboten sind positiv verheißungsvoll. Die Termine sind überschaubar. Der Vorbereitung auf die Statistik Klausur heute Abend steht nichts im Weg. Alles ordentlich nach der SMART Methode geplant. Es läuft.

Und dann kommt der Chef herein…. Neues Projekt, Alarm, Überstunden.

Goodbye Statistik. Goodbye SMARTe Ziele.

Aber warum ein Beitrag über SMARTe Ziele, wenn die nicht helfen?

Als Student:in möchtest du einen Plan haben, wie du im Studium vorgehen sollst. Du möchtest wissen, wo es lang geht. Funktionieren soll der Plan natürlich auch. Also schaust du in einen Studienratgeber. SMARTe Ziele sind dort in 99,9 % der Fälle als Mittel der Wahl aufgeführt. Also testest du das aus. Wenn es überall drin steht, dann muss das funktionieren. Aber irgendwann stellst du fest, dass das so nicht klappt. Vielleicht liegt es daran, dass Student:in nicht gleich Student:in ist und für dich als berufsbegleitende Student:in manche Dinge eben doch anders sind?

Damit du nicht in die Falle der smarten Ziele tappst und es gleich besser machen kannst (und dabei entspannter studierst) gibt es diesen Beitrag. In diesem zeige ich dir erstens, warum die ganzen Ratgeber nicht immer recht haben und zweitens wie du dein Studium mit einem System besser organisieren kannst.

Dazu müssen wir aber noch einmal zurück zu den smarten Zielen. Was ist das genau und warum genau funktionieren sie bei einem berufsbegleitenden Studium nicht?

Was genau ist ein smartes Ziel?

SMART e Ziele bestehen aus den fünf Kriterien spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Bei Erfüllung der Kriterien wird ein smartes Ziel dadurch überprüfbar und erreichbar.

S – spezifisch: das Ziel soll so konkret wie möglich benannt werden
M – messbar: das Ziel kann qualitativ und quantitativ beurteilt werden
A – attraktiv: das Ziel ist angemessen und attraktiv
R – realistisch: das Ziel kann im Zeitrahmen mit deinen Ressourcen erreicht werden
T – terminiert: das Ziel hat ein fixes Enddatum

Ein Beispiel für ein smartes Ziel als Student:
Ich werde bis zum 1.7. jeden Tag zwei Stunden für die Statistik-Klausur lernen, um diese mit einer 2,0 zu bestehen.
Spezifisch: Klausur mit 2.0 bestehen.
Messbar: 2h Lernen am Tag und am Ende die bestandene Klausur
Attraktiv: Bestandene Klausur
Realistisch: Du hast jeden Tag 2h Zeit und diese reichen auch aus, um damit die Klausur zu bestehen.
Terminiert: Am 1.7. ist die Klausur

SMART hört sich gut an, hat aber einige Stolperfallen:

1. Zu wenig Information

Um smarte Ziele aufzustellen, musst du wissen, was auf dich zukommt. Du musst wissen, was du können musst und was die Aufgabe erfordert. Nehmen wir als Beispiel deine Abschlussarbeit. Im Maximum wirst du zwei davon erstellen. Um das Vorgehen detailgenau und realistisch einschätzen zu können, fehlt die Routine. Und auch wenn du bereits bei deiner Masterarbeit angekommen bist und du die Erfahrung einer Bachelor-Thesis hinter dir hast, dann hilft dir das nicht weiter. Die Anforderungen sind anders. Dies gilt auch für Hausarbeiten, unterschiedliche Klausurarten, Präsentationen, etc.

2. Zu viele Ziele

Es ist ja nicht nur ein Ziel, was du erreichen möchtest. Pro Semester musst du allein zwischen 3 bis 7 Prüfungsleistungen berücksichtigen, im Jurastudium teils deutlich mehr. Ziele im Studium sind auch nicht die Einzigen, sondern beruflich und privat gibt es auch noch das ein oder andere Ziel.

3. Unplanbares

Als berufsbegleitende Student:in musst du Job, Studium, Familie und Freizeit unter einen Hut bekommen. An dem 8h Job kannst du kaum etwas ändern, an den potenziellen Querschlägern, die dich länger arbeiten lassen, auch nicht. Den Anruf deiner Eltern abends möchtest du nicht auf den Anrufbeantworter laufen lassen? Oder du bist krank. Die Liste hier weiterzuführen, würde den Rahmen sprengen. Du weißt am besten, was in deinem Leben dazwischenkommt.
Bis zu einem gewissen Grad kannst du Unplanbares durch zusätzlich eingeplante Zeit ausgleichen, aber eher häufiger als nicht wirst du trotzdem die Planung umwerfen müssen.

4. Zeit

SMARTe Ziele aufzustellen, kostet unheimlich viel Zeit. RICHTIG VIEL ZEIT. Du musst die Ziele aufstellen, sie pflegen und nachhalten. Du musst sie irgendwo sichtbar haben. Und wenn dann wieder etwas Unplanbares (siehe 3.) dazwischen gekommen ist, musst du die ganze Planung neu machen. Alles neu aufschreiben, das Alte durchstreichen, eine neue Übersicht fertig machen… Und all diese Zeit verwendest du am Ende nicht für die Dinge, die wirklich wichtig sind – nämlich um die Dinge zu erledigen.

5. Demotivation

Wenn du das erste Mal alles durchplanst und smarte Ziele aufstellst, dann hat das fast euphorische Auswirkungen. Das Gefühl ist super, du fühlst dich großartig, denn du hast alles im Griff. Leider kehrt sich genau dieses Gefühl ins Umgekehrte, wenn du 1. ständig umplanen musst und 2. das gesteckte Ziel dann doch nicht erreichst.

Smarte Ziele können also nicht die Lösung sein.

Holztext Work Smarter

Aber was kannst du stattdessen tun? Ein System hilft.

Der Duden sagt zu System: „Ein System ist ein Prinzip, nach dem etwas gegliedert, geordnet wird“. Einfacher gesagt: Ein System ist eine immer gleiche Vorgehensweise, die du immer wieder von vorne durchlaufen kannst.

Ein Beispiel – Hausarbeit

Du hast ein Thema oder eine Fragestellung. Dazu musst du Literatur recherchieren, vielleicht empirische Erhebungen durchführen, eigene Gedankengänge und Schlussfolgerungen entwickeln. Am Ende musst du das Ganze zu Papier bringen. Eigentlich ganz einfach.

Und dann bekommst du (oder ich…. ist ein ganz willkürliches Beispiel – hust) das Gutachten zurück mit dem Vermerk: „wer ist denn XXX.“ Da hatte der Autor (ich) wohl leider vergessen, ein Zitat zu korrigieren. Solche Patzer kannst du umgehen, wenn das Vorgehen immer gleich ist und du es wie eine Checkliste abarbeitest – oder du sie als Basis nimmst und für die neue Situation anpasst. Am Ende hast du das Prinzip so verinnerlicht, dass du die Liste nicht mehr benötigst.

P.S. Wenn du meine „System-Vorlage“ für deine Hausarbeit nutzen möchtest, dann kannst du über den Trello-Beitrag darauf zugreifen und die Vorlage bei Trello für dich anpassen. Für deine Abschlussarbeit ist auch eine Vorlage dabei.

Der Nutzen von Systemen für dein Studium

1. Ein System erspart dir Zeit

Es spart Zeit, wenn du dir nicht jedes Mal Gedanken über die Vorgehensweise machen musst. Die Hektik wird weniger und du kannst dich besser auf die Inhalte in deinem Leben und Studium konzentrieren, anstatt dich um das Wie zu kümmern. Du musst dir nur am Anfang ein einziges Mal Gedanken machen, wie dein System aussehen soll und danach kannst du es immer wieder anwenden. Wenn nötig, passt du es im Laufe der Zeit an deine Situation an.

2. Leichter Anfangen

Außerdem ist es viel leichter mit Aufgaben anzufangen. Du weißt zu jedem Zeitpunkt, was der erste Schritt ist. Das ist bei einem berufsbegleitenden Studium ein absoluter Pluspunkt. Je einfacher es für dich ist, mit dem Lernen anzufangen, desto eher wirst du es tun. Je weniger unnötige Gedanken verschwendet werden, desto mehr PS bekommst du am Ende auf die Straße.

3. Weniger Fehler

Ein System hilft dir auch dabei, Fehler zu vermeiden. Ein Beispiel dafür hast du oben schon gesehen.

Die Anleitung für dein Basissystem:

Das System besteht aus Planung, Aktivität, Review, Timeboxing, E-Mail und Kalender (PARTEK – komische Wörter als Akronyme kann man sich besser merken). Dabei sind P-A-R das Was und T-E-K die Hilfestellungen für die Umsetzung. Eine zusätzliche Grundlage brauchst du: Ziele. Diese musst du aber nicht so genau definieren wie zuvor. Du kannst sie eher als Bereiche ansehen, an denen du arbeiten möchtest.

P – A – R: Die Regel der 3

Planung – 3 Prioritäten für die Woche

Am Anfang der Woche (oder auch am Sonntag) legst du fest, in welchen 3 Bereichen du nennenswerte Fortschritte erzielt haben möchtest. Dies sind deine drei Prioritäten.

Aktivität – 3 Prioritäten für den Tag

… die am besten auf die 3 Prioritäten der Woche einzahlen – Bei der Auswahl der Aufgaben, die du erledigen möchtest, gebe ich dir ein wichtiges Werkzeug an die Hand, mit dem du besser auswählen kannst, welches die richtigen Aufgaben sind. Geld. Überlege dir, wie viel Geld du für jede der Aufgaben verlangen würdest, wenn du dafür bezahlt würdest. 10 €, 100 €, 1000 €? Dies hilft dir, dich auf das wirklich Wichtige zu fokussieren.

Review – 3 Erfolge der Woche

Am Ende der Woche hältst du drei Erfolge fest. Dies ist wichtig, da dein Unterbewusstsein speichert, was du da tust. Je häufiger du deine Erfolge feierst, desto mehr möchte dein Unterbewusstsein neue Erfolge feiern.

T – E – K: Die Hilfsmittel

Timeboxing

Wenn du am Anfang der Woche deine Planung durchführst, dann lege gleich zu Beginn Zeiten fest, an denen du an deinen Prioritäten und Aufgaben arbeiten möchtest. Notiere sie fest im Kalender. Achte dabei darauf, dass deine Leistungsfähigkeit im Laufe des Tages abnimmt. Das heißt, schwierige Aufgaben möglichst früh in den Tag zu legen. Denke auch daran, welche Erfolge du am Ende der Woche feiern möchtest. Das hilft dir beim Verteilen der Zeiten. Achte außerdem darauf, dass du die Zeiten nicht überziehst (timeboxing). Aufgaben breiten sich ja für gewöhnlich im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit aus. Wenn klar ist, dass nur die 1h zur Verfügung steht, wirst du automatisch effizienter arbeiten.

E-Mail

E-Mail ist ein Fass ohne Boden. Versuche mit E-Mails so effizient wie möglich umzugehen. Schnell vergeht beim Lesen und Beantworten von E-Mails viel Zeit. Hattest du schon mal das Gefühl, dass der ganze Tag richtig voll war und trotzdem nichts Konkretes vorangegangen ist. Einer der Gründe dafür sind E-Mails. Versuche dir daher ein bis zwei kurze Zeiten für E-Mail einzurichten und E-Mails außerhalb dieser Zeiten nicht zu beachten.

Kalender

Dein Kalender ist dein Reich und er entscheidet, ob du ständig in Hektik bist oder genügend Zeit hast, dich auch um wichtige Dinge zu kümmern. Versuche deinen Kalender so spartanisch zu belegen wie es geht. Gemeint sind damit zum größten Teil fremdbestimmte Termine. Vereinzelt hat man aber auch schon gehört, dass in einem Wahn von „ich schaffe alles – 16h am Tag“ sich jemand den Kalender selbst zugemüllt hat und am Ende nichts erledigt war. Es war einfach kein freier Blick auf wichtige Dinge mehr möglich. Lass daher immer mindestens ein paar Zeiten frei für wichtige Dinge, die dazwischenkommen!

FAZIT

Wenn du nichts anderes tust, als dich jeden Tag zu fragen, was die drei wichtigsten Dinge sind, die dich deinen Zielen (den Prüfungsleistungen) näher bringen und diese auch umsetzt, dann machst du einen großen Schritt Richtung Erfolg. Denn genau das ist der Unterschied zwischen Reagieren auf Anforderungen von außen und in die Hand nehmen deines eigenen Erfolges. Dies ist der erste Schritt dazu.

P.S. Dieses Vorgehen ist übrigens angelehnt an das System von Michael Karnjanaprakorn, einem der Gründer von Skillshare. Er stellt sein System auch ausführlich in einem Kurs bei Skillshare vor. Aber er ist nicht der einzige Anwender eines Systems statt Zielen. Bestsellerautor James Clear gehört auch dazu und noch viele mehr.

Über diesen Link kannst du Skillshare und auch den Kurs vom Gründer austesten und bekommst am Ende noch 40% Rabatt!*

Ein paar Tipps und Anregungen für den Ausbau:

Fang klein an! Nichts demotiviert mehr, als wenn man mit einem tollen neuen Plan anfängt und von Anfang an nicht mehr hinterherkommt. Daher starte wirklich erst mit dem Grundgerüst, welches ich dir hier eben vorgestellt habe. Danach kannst du nach und nach weitere Systeme implementieren. Eine Übersicht für studienrelevante Systeme mit Hinweisen habe ich dir hier aber auch schon für deine weiteren Schritte aufgeführt:

In dem Beitrag In 9 Schritten zu einem entspannten und produktiven Lernalltag habe ich dir bereits ein System für deine Lerntage zurechtgelegt.

Systeme für zu Hause

  • Planung der Woche und des Tages – sowohl für Arbeit, Studium UND Privatleben. So stellst du sicher, dass kein Bereich unter den Tisch fällt. Entscheide, ob die Wochenplanung am Sonntag oder Montag stattfinden soll. Außerdem wie und wo. Mach dir zusätzlich ein Konzept wie genau die morgendliche Planung aussehen soll.
  • Organisationssystem für startbereiten Arbeitsplatz: Wenn alles seinen festgelegten Platz hat, dann ist der Weg zum startbereiten Arbeitsplatz schneller geschaffen. Überlege dir, wie dein optimaler Arbeitsplatz aussehen soll. Dann legst du fest, wo alles seinen Platz haben soll.
  • Schlaf: Achte auf ausreichend und auch guten Schlaf. Mit welchem Ritual kannst du abends dafür sorgen, dass du gut einschläfst?

Systeme für die Vorlesung

  • Vorlesung: Was brauchst du an Unterlagen, Zugangscodes, Rechner. Wo findet die Vorlesung statt. Fahrtzeit etc.
  • Organisationssystem für deine Vorlesungsnotizen: Wo möchtest du notieren? In welchem Format? Erstelle einen digitalen Ordner für jedes Semester und jedes Modul. Vergebe Dateinamen mit vorgegebener Nomenklatur (z.B. 202108_3_Finanzen YYYYMM_SEMESTER_Modul)

Systeme zum Lernen

  • Übersicht der wichtigen Termine: Erstelle Anfang des Semesters eine neue Übersicht über Anmelde- und Abgabetermine, Klausurtermine etc. Sichtbar hinhängen!
  • Vor deiner Lernsession zu Hause: Ablenkungen minimieren: Telefon aus, Webseiten blockieren, Partner sagen, dass du für xy Minuten nicht gestört werden möchtest
  • Vorbereitung auf Klausuren, Hausarbeiten etc.: du kannst die Trello-Vorlage für Hausarbeiten nutzen und für deine Zwecke anpassen. Oder wie suchst du die relevanten Klausurthemen aus den Folien? Brauchst du noch weitere Ressourcen?

Und wenn es mit den Noten ganz perfekt werden soll, …..

  • Wiederholungssession für jede Vorlesung, in der du sicherstellst, dass du den Stoff auch verstanden hast. Wie muss sie für dich aussehen? Was gehst du wie durch? Wie erstellst du Zusammenfassungen?
  • Wiederholungssessions für zurückliegende Vorlesungen. Vorgehen, um den Lernstoff dauerhaft zu verinnerlichen.

Smarte Ziele oder System? Entscheiden musst du!

Beste Grüße
Patricia


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