Kolloquium-Präsentation: Aufbau & Beispiel (5 Profs)
Die Arbeit ist abgegeben, der Termin steht — und 60 Seiten sollen in 15 Minuten passen. Aufbau, ein Beispiel in 12 Folien und was 5 Profs erwarten.
Die Arbeit ist abgegeben, der Termin steht, und irgendwann zwischen Feierabend und Mitternacht machst du PowerPoint auf, um die Präsentation für dein Kolloquium zu bauen. Zwanzig Minuten später hast du eine Titelfolie und das Gefühl, dass die eigentliche Prüfung jetzt erst anfängt.
Eine Kolloquium-Präsentation dauert in der Regel 10 bis 20 Minuten und umfasst rund 12 Folien, davon 9 mit Inhalt: Relevanz, Forschungsfrage, Methode, Ergebnisse, Fazit, Ausblick. Bewertet wird nicht Vollständigkeit, sondern ob du Wesentliches von Unwesentlichem trennen kannst.
Unten steht der Aufbau Folie für Folie, ein komplett durchgespieltes Beispiel, ein Zeitplan in Minuten und die fünf Fehler, die zuverlässig Punkte kosten. Die zwölf Folien gibt es weiter unten auch zum Runterladen, leer und ausgefüllt. Und ein Abschnitt, den du sonst nirgends findest: was fünf Professor:innen mir gesagt haben, worauf sie bei der Präsentation tatsächlich achten.
Was Prüfer:innen in der Präsentation sehen wollen
Deine Prüfer:innen haben die Arbeit gelesen. Alle. Das ist der Satz, an dem sich die halbe Foliengestaltung entscheidet — und der Grund, warum eine Präsentation, die brav Kapitel für Kapitel nacherzählt, im besten Fall langweilt.
Was sie stattdessen sehen wollen, ist eine Auswahl. Du hattest 60 Seiten, jetzt hast du 15 Minuten. Was du in diesen 15 Minuten zeigst, ist die eigentliche Prüfungsleistung: Du beweist, dass du deine eigene Arbeit und deine Ergebnisse einordnen kannst.

Hier geht es nur um die Präsentation. Wenn du noch weiter vorne stehst — Ablauf, Dauer, Fragenrunde, die Angst vorm Durchfallen —, dann fang beim großen Beitrag an: Dort steht auch, was passiert, wenn es schiefgeht.
In den Interviews kam dazu ein scheinbarer Widerspruch, der eigentlich die ganze Anleitung ist. Prof. Dr. Stephan Arens sagte mir: "Wir haben alle die Arbeit gelesen, zeig nur die Highlights." Prof. Dr. Kai-Marcus Thäsler sagte das Gegenteil:
So erklären, als hätten sie die Arbeit nicht gelesen.
Prof. Dr. Kai-Marcus Thäsler
FOM Hannover
Der Widerspruch löst sich so auf: Wähle den Inhalt aus für Leute, die die Arbeit gelesen haben. Erkläre ihn für Leute, die sie nicht gelesen haben. Also keine Grundlagenkapitel, aber auch keine Abkürzungen mitten in der Argumentation, weil „das steht ja auf Seite 34”.
Was gehört in eine Kolloquiums-Präsentation?
Halte dich an den Forschungsprozess, nicht an dein Inhaltsverzeichnis. Also nicht „Kapitel 2, Kapitel 3, Kapitel 4”, sondern:
- Das wollte ich.
- So bin ich vorgegangen.
- Das kam raus.
- So ordne ich es ein.
| Folie | Was drauf gehört | Minuten |
|---|---|---|
| 1 · Titel | Thema, dein Name, Studiengang, Prüfer:innen, Datum — nach Vorgabe deiner Hochschule | 0,5 |
| 2 · Agenda | Vier bis sechs Punkte. Keine Unterpunkte. | 0,5 |
| 3 · Relevanz | Warum das Thema ein Problem ist — für die Praxis, für die Forschung, für beide | 2 |
| 4 · Forschungsfrage | Die Frage wörtlich, dazu Ziel und Abgrenzung („was ich bewusst nicht untersucht habe") | 2 |
| 5 · Methode | Was du getan hast und warum. Keine Methoden-Vorlesung. | 2 |
| 6–8 · Ergebnisse | Der Kern. Kerngrafiken statt Fließtext, dazu das Ergebnis, das dich selbst überrascht hat | 5 |
| 9 · Fazit | Antwort auf die Forschungsfrage, in zwei Sätzen | 1,5 |
| 10 · Kritische Würdigung | Wo deine Arbeit an Grenzen stößt — selbst benannt, nicht auf Nachfrage | 1 |
| 11 · Ausblick | Welche Frage jetzt offen ist. Eine reicht. | 0,5 |
| 12 · Quellen | Nur die Quellen, die auf den Folien vorkommen | — |
Das sind zwölf Folien, aber nur neun mit Inhalt — Titel, Agenda und Quellen tragen keinen. Genau deshalb gehen die Angaben im Netz auseinander: Wer „acht bis zehn Folien” sagt, meint die inhaltlichen. Hast du nur zehn Minuten, fällt die Agenda weg und aus drei Ergebnisfolien werden zwei.
Beispiel: eine Kolloquium-Präsentation in 12 Folien
Weil „Relevanz, Forschungsfrage, Methode” abstrakt bleibt, hier dieselbe Struktur einmal komplett durchgespielt. Die Beispiel-Arbeit ist eine qualitative Interviewstudie in einem mittelständischen Unternehmen — der häufigste Zuschnitt bei berufsbegleitend Studierenden, weil das eigene Unternehmen das Forschungsfeld ist.
Thema: „Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterbindung im Außendienst eines mittelständischen Maschinenbauers?”
| Folie | Was konkret draufsteht |
|---|---|
| 1 · Titel | Das Thema ausgeschrieben · Name · Studiengang · Erst- und Zweitprüfer:in · Datum. Sonst nichts. |
| 2 · Agenda | Ausgangslage — Forschungsfrage — Methode — Ergebnisse — Fazit — Ausblick. Sechs Wörter, keine Unterpunkte. |
| 3 · Ausgangslage | Eine Zahl. Fluktuationsquote im Außendienst des Unternehmens gegen den Branchenschnitt, als Balken. Kein Fließtext, keine Definition von „Mitarbeiterbindung". |
| 4 · Forschungsfrage | Die Frage wörtlich, groß. Darunter zwei Zeilen Abgrenzung: „Nicht untersucht: Innendienst, Standorte im Ausland." |
| 5 · Methode | Acht leitfadengestützte Interviews · die drei Auswahlkriterien als Stichpunkte · qualitative Inhaltsanalyse. Dazu eine Zeile, warum kein Fragebogen: „Die Faktoren waren vorab nicht bekannt." |
| 6 · Ergebnis 1 | Das Kategoriensystem als Grafik — vier Hauptkategorien, ihre Unterkategorien angedeutet. Keine Prozentzahlen bei acht Interviews. |
| 7 · Ergebnis 2 | Der stärkste Befund in einem Satz, darunter ein wörtliches Interviewzitat als Beleg. Ein Zitat, nicht vier. |
| 8 · Ergebnis 3 | Das Überraschende — der Befund, mit dem du selbst nicht gerechnet hast. Diese Folie zieht die Fragen auf sich, und das ist gut so. |
| 9 · Fazit | Die Antwort auf Folie 4, in zwei Sätzen. Wörtlich dieselben Begriffe wie in der Frage. |
| 10 · Kritische Würdigung | Drei Stichpunkte: kleine Stichprobe · nur ein Unternehmen · du kennst die Befragten beruflich. Selbst gesagt statt gefragt. |
| 11 · Ausblick | Eine Frage: „Gelten dieselben Faktoren im Innendienst?" Mehr nicht. |
| 12 · Quellen | Die Quellen der Folien 3, 5 und 6 — im Format deines Literaturverzeichnisses. |
Und hier dieselben Folien ausgefüllt als Beispiel ↓
Übertrag das auf deine Arbeit, indem du jede Zeile mit einem Satz beantwortest, bevor du PowerPoint überhaupt aufmachst.
Wenn dir bei einer Zeile nichts einfällt, hast du kein Folienproblem, sondern eine Lücke im roten Faden — und genau danach wird gefragt.

Du bist dir bei der Methodenfolie unsicher, weil dir die Begründung fehlt, warum ausgerechnet dieses Verfahren? Dann lies vorher qualitative Forschungsmethoden. Genau diese Begründung ist die Frage, die im Kolloquium fast sicher kommt.
Wie lange darf die Präsentation dauern?
Die Minuten in der Aufbau-Tabelle ergeben zusammen 15 — der häufigste Wert. Hast du nur 10 Minuten, kürzt du überall eine halbe Minute und bei den Ergebnissen eine ganze. Hast du 20, gibst du sie den Ergebnissen, nicht der Einleitung. Niemand hat je Punkte für eine ausführliche Motivation bekommen.
Die Faustregel „eine Folie ≈ eine Minute" ist grob, aber sie fängt den Fehler ab, der am meisten kostet: zu viele Folien. Wenn du bei 20 Folien für 15 Minuten landest, hast du kein Zeitproblem, sondern ein Auswahlproblem.
Prof. Dr. Wolfram Wirbelauer hat das in einem Satz zusammengefasst:
Reduce to the Max. Ein Zehnminutenvortrag über 50 Seiten bedeutet: Wesentliches von Unwesentlichem trennen können.
Prof. Dr. Wolfram Wirbelauer
FOM Frankfurt
Er meinte damit nicht nur die Prüfung: Die Fünf-Minuten-Antwort im Meeting, die kurze Mail an die Vorgesetzte — dasselbe Können. Das Kolloquium testet eine Fähigkeit, die du danach dauernd brauchst.
Die 5 häufigsten Fehler in der Präsentation
1. Überziehen. Der teuerste Fehler. Er passiert fast immer aus demselben Grund: Zuhause wurde nie mit Stoppuhr geübt. Drei Varianten, wie es ausgeht: Du wirst unterbrochen und kommst nicht zum Ergebnis. Du wirst nicht unterbrochen, aber alles nach der Zeit wird nicht mehr gewertet — plus Abzug fürs Überziehen. Oder, die seltene: Es ist so gut, dass sie mehr hören wollen. Plane aber nicht damit.
2. Textwüsten. Volle Folien halten dich davon ab, frei zu sprechen — du drehst dich um und liest mit. Und sie zeigen genau das Gegenteil von dem, was geprüft wird: dass du eben nicht aufbereiten konntest, was für diese 15 Minuten wichtig ist.
3. Methoden-Overload. Die Methode ist Mittel zum Zweck. Du sagst, was du getan hast und warum du es so getan hast. Eine wissenschaftliche Abhandlung über das Verfahren selbst will niemand hören — nicht in der Arbeit und im Kolloquium erst recht nicht.
4. Ergebnisse zu knapp. Der häufigste Aufbau-Fehler: Zwei Drittel der Zeit gehen für Theorie und Methode drauf, dann kommen die Ergebnisse gehetzt am Ende. Dabei sind sie der einzige Teil, den nur du liefern kannst. Alles davor steht auch in anderen Arbeiten.
5. Kein roter Faden. Wenn du jedes Kapitel einzeln vorstellst, ist zwangsläufig Unwesentliches dabei. Deine Prüfer:innen wollen deine Sicht auf das Problem — nicht dein Inhaltsverzeichnis in Folienform.
Du musst deine Folien übrigens nicht schön machen. Bei der Arbeit gab es für alles eine Vorgabe — Seitenzahl, Zitierstil, Rand. Bei den Folien gibt es keine, und deshalb kann das Basteln zu einem endlosen Loop werden. Bewertet wird, ob du auswählen kannst, nicht ob du Icons ausrichten kannst.
Was 5 Professor:innen wirklich erwarten
Ich habe fünf Professor:innen interviewt, die Abschlussarbeiten betreuen und Kolloquien abnehmen: zwei aus Jura, einen aus BWL, einen aus Marketing, dazu eine Universitätsprofessorin aus der Erziehungswissenschaft. Die Gespräche liefen über Stunden, und der Präsentations-Teil war der, bei dem ich am meisten mitgeschrieben habe.
Wenn du wissen willst, wie du die Prüfungskommission überzeugst, dann steht die Antwort in diesen fünf Zitaten und nicht in einer Folienvorlage.
Der Tipp war auch mir neu ...
Die zweite Folie soll eine Kurzvita sein: Mein Name ist Max Mustermann, mit Foto. Warum? Das interessiert mich wirklich überhaupt nicht. Aber jeder ist im Stande, über sich selbst zu sprechen, weil man sich selbst sehr vertraut ist.
Prof. Dr. Frank Tubbesing
FOM Hochschule
Es geht nicht um die Vita. Es geht darum, dass du die ersten anderthalb Minuten über etwas redest, das du im Schlaf kannst, und dabei die Aufregung abredest. Er hat den Tipp jedem Prüfling gegeben und gesagt, er habe „vielen Leuten den Popo gerettet". Ich hatte ihn vorher weder gelesen noch gehört. Prüf trotzdem, ob deine Prüfungsordnung eine feste Folienstruktur vorschreibt — sonst kostet dich die Folie eine halbe Minute und nimmt dir viel.
Wie viele Folien wirklich reichen
Auf acht bis zehn Folien wirklich die Highlights darstellen: Was war mein Problem, was war meine Frage, zu welchem Ergebnis bin ich gekommen? Wir haben alle die Arbeit gelesen.
Prof. Dr. Stephan Arens
FOM Frankfurt
Sein Richtwert: 10 bis 12 Minuten Vortrag, der Rest freie Fragen. Sein Worst Case sind überfrachtete Folien oder — Originalton — der Besinnungsaufsatz in Folienform: „Dann habe ich mir einen Aufsatz dazu angesen und ein Buch gelesen. Und dann ... "
Schwächen selbst ansprechen
Ich sehe, die Arbeit ist an den und den Punkten nicht perfekt. — Wenn man es anspricht, hat man immer schon die Sympathie der anderen.
Prof. Dr. Kai-Marcus Thäsler
FOM Hannover
Die Schwachstellen deiner Arbeit sind ihnen beim Lesen ohnehin aufgefallen. Wenn du sie in der kritischen Würdigung selbst benennst — mit Begründung, nicht als Entschuldigung —, nimmst du der Nachfrage die Schärfe und zeigst genau die Reife, die bewertet wird.
Fehlerfreundlichkeit gehört zum Handwerk
Man darf Fehler machen. Fehlerfreundlichkeit in der Reflexion gehört zum Handwerkszeug. Wir merken sowieso, wenn da Fehler drin sind — da kann man die besser offen sagen.
Prof. Dr. Behrensen
Erziehungswissenschaft
Bei ihr gibt es übrigens gar keine Präsentation: lieber ein einseitiges Handout und dann ein kollegiales Gespräch, „sonst kommen wir gar nicht ins Gespräch". Das ist die Ausnahme im Set — und der beste Grund, vorher zu fragen, was deine Prüfer:innen überhaupt sehen wollen, statt Folien für eine Erwartung zu bauen, die es nicht gibt.
Was sie begeistert
Richtig begeistert bin ich, wenn das Gegenüber ein Stück weit vergisst, dass es eine Prüfungssituation ist — und versucht, uns mitzunehmen, warum das Thema gesellschaftlich relevant ist.
Prof. Dr. Behrensen
Erziehungswissenschaft
Foliendesign: 4 Regeln, mehr braucht es nicht
Eine Aussage pro Folie. Wenn du den Kerngedanken einer Folie nicht in einem Satz sagen kannst, sind es zwei Folien.
Bilder statt Text, wo es geht. Frag dich: Welche Grafiken repräsentieren dein Ergebnis am besten? Wenn du deine Arbeit nur in Bildern zeigen dürftest — welche wären das? Beschrifte jede Grafik mit Titel und Quelle.
Lesbar statt hübsch. Serifenlose Schrift, Grundtext 20 bis 24 Punkt, Überschriften mindestens vier Punkt größer. Höchstens acht Zeilen pro Folie. Schwarz auf hellem, einfarbigem Grund, keine Pastelltöne, keine vollflächigen Bildhintergründe. Der Test dauert zehn Sekunden: Stell dich in die letzte Reihe und lies.
Nichts, was sich bewegt. Keine Folienübergänge, keine einfliegenden Texte, keine Prezi. Die einzige Ausnahme wäre ein Studiengang, in dem die Präsentation selbst das Prüfungsobjekt ist — Mediendesign etwa.
Ich habe fünf Jahre in einem Konzern PowerPoints für Vorstandsvorlagen gebaut: 50-Millionen-Projekte, fünf Minuten Zeit, zehn Folien, und daneben vierzehn andere Vorlagen, die auch gut waren. Am Anfang habe ich genau das geliefert, was ich dir gerade ausrede — Folienübergänge, aufpoppende Textbausteine, ich konnte es ja nicht besser. Gelernt habe ich es erst dort, am Ende so gut, dass ich die Endkontrolle vor dem Vorstand gemacht habe. Was der Vorstand sehen wollte: Zahlen, Daten, Fakten, sofort erfassbar, ohne Klimbim. Deine Prüfer:innen wollen dasselbe.
Der unangenehme Nebeneffekt einer blitzenden Präsentation zu einer Arbeit, die keine 1,0 ist: Die Prüfer:innen denken „Prioritäten falsch gesetzt”. Und das ist genau die Frage, die im Kolloquium bewertet wird.
Quellen in der Kolloquium-Präsentation
Ob Quellenangaben auf die Folien müssen, steht selten in der Prüfungsordnung. Frag deine Erstprüfer:in — im Zweifel lieber mit. Zwei Dinge, die dabei regelmäßig für Ärger sorgen:
Die Quellenfolie zählt mit. Wenn du eine Folienbegrenzung hast, frag nach, ob das Literaturverzeichnis dazugehört. Es gehört fast immer dazu, aber manchmal bekommst du dafür eine Folie extra.
Nur Quellen, die schon in der Arbeit stehen. Optisch hältst du dich an die Vorgaben für dein Literaturverzeichnis. Die eine Ausnahme: Hat sich zwischen Abgabe und Kolloquium etwas Wesentliches geändert — ein Urteil, ein Gesetz, eine neue Studie —, musst du das aufnehmen. Für Jurist:innen ist das keine Kür, sondern Pflicht.
Generalprobe: laut üben, Zeit stoppen, ruhiger werden
Mit Stoppuhr. Nicht ungefähr, sondern gemessen. Zwanzig Minuten sind schneller vorbei, als du denkst, und der Zeitfehler ist der einzige, den du zuhause vollständig ausschließen kannst.
Laut. Nicht im Kopf durchgehen, nicht murmeln — laut, so wie du es in der Prüfung sagen würdest, am besten vor jemandem, der zuhört. Das ist der Teil, den fast alle auslassen.

Und wenn du merkst, dass du seit Wochen im Dauerstress bist und das Üben deshalb jeden Abend ausfällt: Dagegen hilft kein Zeitplan, sondern eine andere Art zu lernen. Ich habe aufgeschrieben, was bei mir funktioniert hat.
Technik-Check: was am Prüfungstag schiefgehen kann
Der ärgerlichste Punkteverlust ist der, der nichts mit deiner Arbeit zu tun hat. Zehn Minuten am Vorabend, und das Thema ist erledigt.
Technik-Check am Vorabend
- ☐Präsentation in zwei Formaten gespeichert — PDF und PPTX
- ☐Auf zwei Medien — Laptop und USB-Stick. Die PDF zusätzlich aufs Handy, das ist der dritte Weg
- ☐Adapter für den Beamer eingepackt — HDMI, USB-C oder VGA, je nach Raum
- ☐Laptop geladen, Netzteil dabei
- ☐Prüfungsort und Anfahrt geklärt, mit Puffer — und gefragt, wann deine Prüfer:innen dich tatsächlich erwarten. Das weicht von den offiziellen Zeiten ab
Die PDF ist keine Redundanz um der Redundanz willen. Sie ist die Fassung, in der deine Schriften und Abstände garantiert so aussehen wie zuhause — auf einem fremden Rechner mit anderer Office-Version tun sie das nicht zuverlässig.
Übt es zuhause. Nehmt euch Leute, die sich den Senf anhören. Schaut auf die Uhr. Sprecht laut — wirklich ganz, ganz laut, als ob ihr wirklich in der Situation steht.
Prof. Dr. Frank Tubbesing
FOM Hochschule
Seine Begründung dahinter ist der eigentliche Trick: Lautes Sprechen füllt dein Kurzzeitgedächtnis mit den echten Sätzen. Stilles Durchdenken tut das nicht — deshalb fühlt es sich am Prüfungstag so an, als hättest du nie geübt.
Häufige Fragen
Wie viele Folien braucht man für ein Kolloquium? Zwölf Folien sind ein guter Richtwert für einen Vortrag von 10 bis 20 Minuten — davon neun mit Inhalt, dazu Titel, Agenda und Quellenverzeichnis. Als Faustregel gilt eine Folie pro Minute. Mehr Folien bedeuten fast nie mehr Inhalt, sondern nur weniger Zeit pro Folie.
Wie startet man ein Kolloquium? Der Einstieg besteht aus einer kurzen Begrüßung, dem eigenen Namen und dem Thema, gefolgt von der Agenda. Bewährt hat sich danach eine Folie zur eigenen Person: Wer die ersten Minuten über Vertrautes spricht, redet die Aufregung ab, bevor der inhaltliche Teil beginnt — der Kurzvita-Trick weiter oben.
Was gehört auf die erste und die letzte Folie? Auf die erste Folie gehören Thema, Name, Studiengang, Prüfer:innen und Datum. Die letzte inhaltliche Folie ist der Ausblick: die eine Frage, die deine Arbeit offen lässt. Danach folgt nur noch das Quellenverzeichnis.
Muss ich die komplette Methodik zeigen? Nein — im Kolloquium zählt, was du getan hast und warum, nicht eine vollständige Darstellung des Verfahrens. Eine Folie zur Methode genügt in der Regel; erwartet wird, dass du sie beherrschst, nicht dass du sie erklärst. Bei rein methodischen Arbeiten ist das anders, dort ist das Verfahren das Ergebnis.
Darf ich die Präsentation in der Ich-Form halten? In der mündlichen Präsentation ist die Ich-Form üblich und erwünscht — anders als im Fließtext der Abschlussarbeit. Du schilderst deinen eigenen Forschungsweg, und „ich habe acht Interviews geführt” ist klarer als „es wurden acht Interviews geführt”. Auf den Folien selbst bleibt es beim neutralen Stil.
Viel Erfolg beim Kolloquium
Patricia

Du steckst noch weiter vorne fest und hast das Thema selbst noch nicht? Dann ist die Präsentation dein kleinstes Problem.
Mehr dazu
- Förstemann, T. / Löffler, A. (2020): Leitfaden zur Erstellung von wissenschaftlichen Präsentationen. Freie Universität Berlin, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, 17 S. — dort ausdrücklich Bewertungsgrundlage für Seminarvorträge; Kap. 4.6 zum Umgang mit Fragen.
- Psychologischer Beratungs-Service Oldenburg: Mündliche Prüfungen erfolgreich bewältigen. Carl von Ossietzky Universität Oldenburg / Studentenwerk Oldenburg, 9 S. — Lampenfieber, Blockaden, Blackouts.
Belege & Zitationen
Die fachlichen Aussagen dieser Seite stützen sich auf:
- Lammerding-Köppel, M. / Griewatz, J. / Layher, D. (2019): Erfolgreich präsentieren im Studium. UTB, 121 S., ISBN 978-3-8252-5220-5 — Kap. 4 „Medien und Visualisierungen" (S. 43–70), insbesondere Schrift und Kontrast (S. 52 f.) sowie Folienzahl (S. 60).
- Fünf Interviews mit Professor:innen, geführt 2021 für RockyourStudium: FOM Hochschule (Marketing, BWL, zweimal Jura) und Erziehungswissenschaft an einer Universität. Zitate aus den Transkripten, sprachlich geglättet, inhaltlich unverändert.
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Mehr aus Abschlussarbeit.
Patricia Findel



