Wie schwer ist ein berufsbegleitendes Studium auf Englisch?

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System oder smarte Ziele: Dein Weg zu Erfolg im Studium
3. Mai 2021

Viele Hochschulen bieten auch für berufsbegleitend Studierende mittlerweile englischsprachige Studiengänge und Auslandsprogramme an. Mein Bachelorstudiengang International Management an der FOM war ein zweisprachiger Studiengang. Mit zehn Studierenden habe ich in den Vorlesungen gesessen. Die Dozent:innen kannten jeden beim Namen. Verstecken – keine Chance.

Mehrsprachige Studiengänge haben meist deutlich weniger Student:innen als die einsprachigen Counterparts. Daher ist es wichtig für dich einzuschätzen, ob ein Studium auf Englisch nun für dich die richtige Option ist oder nicht. Dafür habe ich hier einige Antworten und Erfahrungen zusammengetragen.

Also „Wie schwer ist ein berufsbegleitendes Studium auf Englisch“?

Mit einer guten Vorbereitung und einer korrekten Einschätzung deiner Sprachkenntnisse ist ein Studium auf englisch machbar! In der Vorbereitung suchst du eine Studienform, die deinen derzeitigen Englischkenntnissen entspricht. Während des Studiums hast du dann Zeit, deine Sprachkenntnisse auszuweiten und den für das Studium notwendigen Spezialwortschatz zu erlernen. So stellst du sicher, dass dein Wortschatz und die Anwendung auch für die Abschlussarbeit und das Kolloquium ausreichen.

Die angebotenen Studiengänge haben unterschiedliche Anforderungen an die Sprachkenntnisse und auch unterschiedliche Sprechanteile. Du kannst mit einer ordentlichen Studiengangswahl dafür sorgen, dass das Studium deinen Sprachkompetenzen entspricht.

Was genau bedeutet es, berufsbegleitend auf Englisch zu studieren?

Die Studieninhalte an sich sind nicht anders als die Inhalte eines Studiums auf Deutsch. Doch im Unterschied dazu werden nicht nur Quellen und Texte auf Englisch gelesen, sondern auch die Teilnahme in der Vorlesung findet vornehmlich auf Englisch statt. Es wird für die Teilnahme ein gutes bis sehr gutes Lese- und Hörverständnis und freie Sprechfähigkeit erwartet.

Je nach den vorhandenen Englischkenntnissen kann dies das Studium deutlich schwerer gestalten. Wichtig ist hierbei der aktive Wortschatz, das heißt wie kannst du die Sprache selber anwenden. Die Anforderungen sind genau an diesem Punkt im Studium deutlich höher als in der Schule. Du kannst jedoch anhand der Studiengangswahl steuern. Wenn du keine Präsenzvorlesungen (oder online-Äquivalent) hast, dann kann auch keine mündliche Beteiligung eingefordert werden. Aber am Ende bitte das Kolloquium nicht vergessen. Spätestens da solltest du frei sprechen und diskutieren können.



Und so bereitest du dich auf dein Studium auf Englisch vor:

Fangen wir mit dem Einfachen an, den Voraussetzungen:

Um ein englischsprachiges Studium absolvieren zu können, musst du neben der formalen Studienzugangsberechtigung (Abitur etc.) die notwendigen Sprachkenntnisse mittels eines Sprachtests nachweisen. Gängige Tests sind zum Beispiel IELTS (International English Language Testing System) oder TOEFL (Test of English as a Foreign Language). In Ausnahmefällen werden (je nach Hochschule) auch weitere Nachweise akzeptiert wie Auslandsaufenthalte. 

To-Do: Analysiere deinen Sprachlevel und deine generellen Stärken!

  1. Definiere deinen Sprachlevel für dich. Wo sind Stärken, wo sind Schwächen?
  2. Welche Arten von Prüfungsleistungen fallen dir leicht?
  3. Eigenstudium oder Vorlesung? Was liegt dir?

Wie findest du das passende Studium zum Sprachlevel?

To-Do: Mach dir eine Übersicht der infrage kommenden Studiengänge und Anbieter!

  1. Handelt es sich um ein Eigenstudium oder Vorlesungen?
  2. Wird aktive Mitarbeit erwartet?
  3. Welche Prüfungsleistungen herrschen vor? Hausarbeiten, Klausuren, Präsentationen?
  4. Wird das ganze Studium auf Englisch stattfinden oder nur bestimmte Module?
  5. In welcher Sprache muss die Abschlussarbeit geschrieben werden?

To-Do: Gleiche deine Voraussetzungen mit den Studiengängen ab!



Wie kannst du dich sprachlich auf ein englischsprachiges Studium vorbereiten?

Du hast folgende Möglichkeiten deinen aktiven Wortschatz zu erweitern:

  • Sprachunterricht – Das kann beim Vokabel lernen anfangen und bis zu Privatunterricht gehen. Ein Volkshochschulkurs ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen. Diese sind eher standardsprachlich ausgerichtet und zu langsam. Solltest du besondere Schwächen haben, dann ist es sinnvoll, diese in einigen wenigen Unterrichtsstunden zu bereinigen.
  • Fachliteratur – du suchst dir Fachzeitschriften zu deinem Studienthema. Dies hat zwei Vorteile: 1. du lernst gleich die relevanten Fachtermini und 2. erarbeitest dir bereits Grundlagen für dein Studium.
  • Freizeit, Film und Bücher – Gibt es deine Lieblingsserie auch auf Englisch? Dann bitte umschalten und los geht es. Aber Achtung, hier gibt es eine kleine Stolperfalle! Untertitel. Teste einmal aus, wie viel du vom Film mitbekommst, wenn die Untertitel eingeschaltet sind. Das große Ganze ist für das Verständnis wichtiger als das einzelne Wort. Sonst kommst du nicht voran. Dies Vorgehen wird später auch bei Quellen relevant sein. Es ist nicht immer möglich, jedes einzelne Wort nachzuschlagen. 

To-Do: erstelle dir einen Lernplan, der deine Sprachkenntnisse optimal an dein Studium anpasst!

Am besten nutzt du dafür eine Kombination aus Fachliteratur, Film und Büchern. Das eigene Fernsehverhalten umzustellen, ist dabei am einfachsten. Kleiner Nebeneffekt: im Original bekommt man viel mehr Feinheiten mit. Zum Beispiel, wenn ausländische Schauspieler sich bemühen Deutsch zu sprechen. Teilweise sehr amüsant.



Tools, die dir dabei helfen, deinen schriftlichen Output im Studium zu verbessern:

  • Grammarly: hilft dir deine Grammatik und deinen Ausdruck zu verbessern. Dabei wird sowohl auf Kommasetzung, Rechtschreibung und Wortwiederholungen geachtet. Du kannst ganze Texte und Hausarbeiten davon überprüfen lassen. Fokus liegt bei Grammarly auf flüssiger Korrektheit.
  • Hemingway: Im Englischen ist es besonders wichtig, dass die Sätze gut lesbar sind. Häufig werden auch typisch deutsche verklausulierte Formulierungen auf das Englische übertragen. Hemingway analysiert deine Texte und zeigt genau, welche Sätze und Wörter zu schwierig dargestellt sind. Ziel ist es, die Readability zu erhöhen.
  • linguee: übersetzt nicht nur Vokabeln, sondern zeigt auch diverse Anwendungsmöglichkeiten.
  • Leo – Forum: Leo bietet zwar auch die normale Übersetzungsfunktion, viel interessanter ist jedoch, dass man anderen Usern Fragen stellen kann und auch kompetente Antworten erhält.

Hier zeige ich dir anhand meiner ersten Hausarbeit im B.A. International Management, wie die Korrekturvorschläge der ersten beiden Tools aussehen:

Grammarly Hausarbeit Intercultural Competencies
Ergebnis in Grammarly
Hemingway Hausarbeit Intercultural Competencies
Ergebnis im Hemingway Editor

Beide Tools gibt es in einer kostenlosen Variante. Damit kannst du bei Seminararbeiten, die du zuhause schreibst, diverse Dinge gerade rücken. Ein Lerneffekt für zukünftige Arbeiten kann sich dadurch auch ergeben.



Solltest du auf Englisch studieren?

Fremdsprachenkenntnisse sind in vielen Berufen von Vorteil. Sie tauchen bei der Bewerbung meist aber nur in der entsprechenden Spalte im Lebenslauf auf. Zusätzlich lernst du in der Schule meist nur für umgangssprachliche Situationen. Ein zweisprachiges Studium erfüllt somit gleich mehrere Zwecke:

  • du festigst deine Fremdsprachenkenntnisse auch in beruflich relevanten Bereichen
  • das Studium hat häufig auch rein sprachbezogene Module. Wenn du in der Sprache wirklich fit bist, dann sind das einfache und gute Credits
  • dein Arbeitgeber sieht, dass es sich bei deinen Fremdsprachenkenntnissen nicht nur um passive Kenntnisse handelt
  • du hebst dich von deinen Mitbewerbern ab
  • du hast Zugang zu vielen spannenden Berufsfeldern, die Englischkenntnisse voraussetzen

Besonders die letzten beiden Punkte solltest du nicht unterschätzen. Arbeitgeber schätzen Mitarbeiter, die bereit sind, sich voll einzusetzen. Das wird allein durch das berufsbegleitende Studium unter Beweis gestellt. Wenn du jetzt noch auf Englisch studierst, dann hebt dich das noch deutlicher von deinen Mitbewerbern ab.

Stolperfallen bei englischsprachigen berufsbegleitenden Studiengängen

Ergebnis des Sprachtests überbewerten

du hast dich gut auf den Test vorbereitet und ein gutes Ergebnis erzielt. Herzlichen Glückwunsch. Die Anforderungen im Test sind jedoch nicht mit denen im Studium gleichzusetzen. Der Test allein gibt dir über deinen potenziellen Erfolg nicht genug Aufschluss. Daher sei bei deinem Eigenassessment ehrlich zu dir. Besonders im Erstellen von schriftlichen Prüfungsleistungen solltest du deine Kenntnisse und den damit erforderlichen zeitlichen Mehrbedarf realistisch einschätzen.

Angst vor freiem Sprechen

berufsbegleitende Studiengänge auf Englisch sind meist nicht die voll besetztesten Studiengänge. Wenn Du im freien Sprechen nicht so fit bist und dir einen Präsenzstudiengang ausgesucht hast, dann kann das mit der (mangelnden) mündlichen Beteiligung unter Umständen auffallen. Es gibt zwar meist keine mündlichen Noten, aber wenn nur 10 Studenten im Raum sitzen, dann ist es relativ einfach für den Dozenten, sich Namen zu merken. Da könnte eine Einschätzung dann auch auf andere Prüfungsleistungen abfärben.

Kein alternativer Studiengang

Die Anzahl der Studenten ist auch für das Zustandekommen des Studienganges wichtig. An der FOM gibt es unter anderem eine Mindeststudentenzahl. Die muss erreicht werden, damit der Kurs gestartet wird. Überlege dir daher einen alternativen Studiengang für alle Fälle, damit du schnell umschwenken kannst. Die Absagen, dass ein Studiengang nicht stattfindet, kommen erst kurz vor Schluss.

Beste Grüße und viel Erfolg beim Studieren!
Patricia


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