Qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz einfach erklärt
Kuckartz denkt die qualitative Inhaltsanalyse anders als Mayring: in Schleifen statt geradeaus, mit drei Varianten und einer Software. So läuft die Methode als Ganzes ab — mit durchgespieltem Beispiel.
Du hast dich für die qualitative Inhaltsanalyse entschieden und liest dich ein. Nur: Fast alles, was du findest, ist Mayring. Sieben Schritte, Zusammenfassung, Explikation, Strukturierung. Und dann sagt deine Betreuerin „nehmen Sie Kuckartz" — und plötzlich passt nichts mehr zusammen. Andere Begriffe, ein anderer Ablauf, auf einmal ist von drei Varianten und einer Software die Rede.
Das ist keine neue Version von Mayring. Das ist eine eigene Schule.
Was ist die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz?
Die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz ist ein systematisches, methodisch kontrolliertes Verfahren, um Texte wie Interviews anhand eines Kategoriensystems auszuwerten. Sie erfasst das Gesagte wie das Gemeinte, arbeitet sich in Schleifen durchs Material statt streng der Reihe nach und kennt drei Varianten: die inhaltlich strukturierende, die evaluative und die typenbildende.
Der Kern steckt im Wort „Kategorien". Udo Kuckartz und Stefan Rädiker legen die ganze Methode um ein Kategoriensystem herum an — eine Art Ordnungsraster, mit dem du dein komplettes Material sortierst (Kuckartz/Rädiker 2024, S. 39). Was zu welcher Kategorie gehört, entscheidest nicht spontan beim Lesen. Das entscheidet ein Raster, das du vorher aufbaust und im Methodenteil offenlegst.
Und noch eine Sache, bevor du loslegst: Die Inhaltsanalyse erhebt keine Daten, sie wertet sie aus. Deine Interviews führst und transkribierst du woanders; die Methode fängt an, wenn der fertige Text vor dir liegt (S. 44–45). Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der Grund, warum sie so gut zu verteidigen ist.
Wir gehen die Methode als Ganzes durch: wann sie passt, wie ihr Ablauf aussieht, die drei Varianten, wie Kategorien entstehen und wie du codierst. Von den drei Varianten spielen wir die grundlegende, die inhaltlich strukturierende, an einem Beispiel komplett durch; die evaluative und die typenbildende folgen in eigenen Beiträgen.

Wann eignet sich die Methode nach Kuckartz?
Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine Auswertungsmethode. Sie kommt mit fast jedem sprachlichen Material zurecht — mit dem, das du selbst erhoben hast (Interviews, offene Fragebogen-Antworten), und mit dem, das schon existiert (Zeitungsartikel, Dokumente, Protokolle). Der Grund: Erhoben wird woanders, die Analyse setzt erst am fertigen Text an (S. 44–45).
Sie passt, wenn drei Dinge zusammenkommen:
- Du hast sprachliches Material, kein Zahlenmaterial. Für Skalen-Fragebögen mit hundert Teilnehmern nimmst du Statistik.
- Du willst systematisch und nachvollziehbar vorgehen statt frei zu deuten. Genau das ist Kuckartz' Anspruch — und im Methodenteil dein bester Freund.
- Deine Forschungsfrage steht halbwegs. Sie entscheidet nämlich, welche der drei Varianten du nimmst (dazu gleich mehr). Bei Kuckartz darf sich die Frage unterwegs noch schärfen, aber ganz ohne Richtung geht es nicht.
Einen Denkfehler räumt Kuckartz gleich weg: Du gehst nicht völlig unvoreingenommen an den Text, als hättest du vorher nie etwas über dein Thema gehört. Verstehen braucht Vorwissen und Kontext; die Idee, Bedeutung entstünde „ganz allein aus dem Text", nennt er ausdrücklich einen Irrweg (S. 30). Dein Vorwissen ist kein Makel — es ist die Voraussetzung dafür, dass du überhaupt etwas verstehst.
Qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz — Stärken und Grenzen
Noch unsicher, ob die Inhaltsanalyse überhaupt deine Methode ist?

Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine von mehreren Auswertungsmethoden. Der Überblick stellt sie nebeneinander — damit du die zu deiner Fragestellung passende findest.
So läuft die Inhaltsanalyse nach Kuckartz ab
Und hier trennt sich Kuckartz zum ersten Mal deutlich von Mayring. Mayrings Modell ist eine Treppe: Stufe für Stufe von oben nach unten. Kuckartz zeichnet stattdessen einen Kreis: in der Mitte deine Forschungsfrage, drumherum fünf Stationen, und zwischen allen laufen Pfeile in beide Richtungen (S. 106).
Der Ablauf verläuft nicht geradeaus, sondern in Schleifen. Du darfst und sollst zurückspringen, wenn eine spätere Station zeigt, dass eine frühere nachgebessert werden muss, bei Kuckartz sogar bis hin zur Forschungsfrage selbst. Diese Rücksprünge gehören zum Verfahren; sie sind kein Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist.
Die fünf Stationen um deine Forschungsfrage herum:

Zwei Dinge zeigt die Grafik, die du dir merken solltest.
Erstens die Pfeile in beide Richtungen. Zeigt sich beim Codieren, dass eine Kategorie unscharf ist, gehst du zurück und schärfst sie nach. Das ist erlaubt und gehört so. Wer im Methodenteil schreibt „das Vorgehen war zirkulär" (also in Schleifen), meint genau diese Rücksprünge und dokumentiert sie am besten gleich mit.
Zweitens der feste erste Schritt: die initiierende Textarbeit (S. 119). Bevor du irgendetwas codierst, liest du jeden Text einmal ganz durch. Nicht markieren, nicht sortieren, nur verstehen, worum es überhaupt geht. Dabei schreibst du dir kurze Notizen (Memos) und für jeden Fall eine knappe Zusammenfassung. Der Schritt klingt banal und wird gern übersprungen. Das rächt sich: Ohne ihn greifen die Kategorien später nicht.
Die drei Varianten der Methode
Hier kommt der zweite große Unterschied zu Mayring, und hier wird leicht etwas verwechselt. Mayring hat drei Grundtechniken (Zusammenfassung, Explikation, Strukturierung). Kuckartz hat drei Varianten, und das ist etwas völlig anderes: drei komplette Wege durch die Methode, je nachdem, was deine Forschungsfrage will (S. 104). Keine ist besser als die andere, du wählst nach deiner Frage.
- Inhaltlich strukturierend. Der Klassiker unter den dreien. Du sortierst dein Material nach Themen und schaust, was die Befragten zu jedem Thema sagen. Antwort auf Fragen vom Typ „Welche Aspekte nennen die Befragten und wie?" (S. 129–130).
- Evaluativ. Du schätzt dein Material auf einer Skala ein — zum Beispiel „geringes, mittleres, hohes Verantwortungsbewusstsein". Du vergibst also Ausprägungen und wertest die dann aus. Antwort auf Fragen vom Typ „Wie stark ausgeprägt ist X bei den Befragten?" (S. 157).
- Typenbildend. Die aufwändigste. Du gruppierst deine Fälle nach Ähnlichkeit zu Typen — etwa „die Pragmatikerin", „der Zögerer". Nach Kuckartz baut sie auf einer der beiden anderen Varianten auf (S. 104). Antwort auf „Welche Muster oder Typen lassen sich unterscheiden?" (S. 176).
Wir spielen unten die inhaltlich strukturierende Variante durch. Sie ist die grundlegende der drei und passt zu Fragestellungen vom Typ „Welche Themen nennen die Befragten und wie?". Die anderen beiden sind eigene Beiträge wert; hier reicht, dass du weißt, dass es sie gibt und wann sie drankommen.

Kategorien bilden: deduktiv, induktiv oder beides
Das Kategoriensystem ist das Herz der ganzen Methode. Die eine Frage, die du vorher beantwortest: Kommen die Kategorien aus der Theorie oder aus dem Material? Kuckartz kennt beide Wege — und einen dritten, der beide verbindet.
- Deduktiv heißt: Du legst die Kategorien vorher fest, aus deiner Fragestellung, deinem Interviewleitfaden oder der Theorie, und trägst sie an den Text heran (S. 71–73). Das sind deine großen Hauptkategorien.
- Induktiv heißt: Du liest das Material und lässt die Kategorien direkt daraus entstehen (S. 82–83). Wenn nach einem guten Teil des Materials kaum noch neue dazukommen, hast du genug; bei Kuckartz kann das schon nach zehn Prozent des Materials so sein, in anderen Fällen erst nach der Hälfte (S. 93).
- Deduktiv-induktiv heißt: beides nacheinander. Und genau das ist der typische Kuckartz-Weg (S. 102–103).
Zwei Wege zur Kategorie · Kuckartz kombiniert beide
Deduktiv: von der Theorie zum Text
- Die Kategorien stehen vorher fest: aus Fragestellung, Leitfaden oder Theorie.
- Sie werden an den Text herangetragen; passende Stellen werden zugeordnet.
- Beispiel: „Umgang mit der Doppelbelastung" steht aus dem Leitfaden fest; im Interview werden die passenden Stellen gesucht.
- Ergibt die großen Hauptkategorien.
Induktiv: vom Text zur Kategorie
- Das Material wird ohne festes Raster gelesen; die Kategorien entstehen direkt daraus.
- Kommt kaum noch Neues dazu, ist das Kategoriensystem fertig.
- Beispiel: Die Aussage „abends nach den Kindern keine halbe Stunde" wird zur neuen Kategorie „Zeitknappheit".
- Ergibt die feineren Unterkategorien.
So läuft dieser typische Weg konkret: Du baust deine Hauptkategorien vorher aus der Fragestellung. Kuckartz rät, unter rund zwanzig zu bleiben, sonst verlierst du den Überblick (S. 92). Dann gehst du durchs Material und bildest innerhalb jeder Hauptkategorie die feineren Subkategorien, die dir der Text zeigt. Grobes Raster aus dem Kopf, feine Unterteilung aus dem Material. Eine ehrliche Restkategorie („Sonstiges") gehört dazu. Nicht jede Textstelle passt sauber, und das offen zuzugeben spricht für saubere Arbeit (S. 61–63).
Die Kategorienbildung ist tief genug für einen eigenen Beitrag; hier reicht der Überblick. (Interner Link folgt, sobald der Detail-Artikel „Kategorien bilden" live ist.)
So codierst du das Material
Codieren heißt: Du gehst durch den Text und ordnest jede relevante Stelle einer deiner Kategorien zu. Klingt simpel, hat aber zwei Feinheiten, die du kennen solltest.
Die erste: Wie groß ist eine Textstelle? Bei Kuckartz legst du das erst beim Codieren fest. Du markierst genau so viel, dass die Stelle für sich verständlich bleibt, auch aus dem Zusammenhang gerissen (S. 91, 136). Das nennt sich freies Segmentieren. Eine Stelle darf dabei ruhig zu mehreren Kategorien gehören (S. 135).
Die zweite: Du codierst in zwei Durchgängen. Im ersten Durchgang ordnest du dem Material deine großen Hauptkategorien zu (S. 135). Dann bildest du innerhalb der Kategorien deine Subkategorien und gehst in einem zweiten Durchgang noch einmal durch, jetzt mit dem feineren Raster (S. 142). Zweimal durch dasselbe Material, einmal grob, einmal fein.
Und weil qualitatives Codieren immer ein Stück Deutung ist, sichert Kuckartz es über konsensuelles Codieren ab: Zwei Personen codieren dasselbe Material unabhängig, legen die Ergebnisse nebeneinander und einigen sich bei Unterschieden im Gespräch, mit dem Ziel, die Kategoriendefinition zu schärfen (S. 137). Das ist zugleich der Kern der Gütefrage: Ob du dafür einen Kappa-Wert brauchst (kurze Antwort: nein) und wie du die Güte im Methodenteil sauber begründest, steht im eigenen Güte-Beitrag — verlinkt am Ende.
Beispiel: die inhaltlich strukturierende Analyse
Nehmen wir die inhaltlich strukturierende Variante und ziehen sie an einem Mini-Beispiel durch. Die Aussagen unten sind erfunden — realistisch, aber konstruiert, damit du das Verfahren siehst, ohne dich durch vierzig echte Transkriptseiten zu wühlen.
Angenommen, deine Forschungsfrage lautet: Was hält Berufstätige im Fernstudium bei der Stange? Aus deinem Leitfaden hast du vorab eine Hauptkategorie deduktiv gebildet: „Umgang mit der Doppelbelastung". Jetzt liest du die Interviews und bildest die feineren Subkategorien direkt am Material. Vier Aussagen aus verschiedenen Interviews:
- B1: „Nach acht Stunden Büro und dann noch die Kinder — abends schaff ich vielleicht noch 'ne halbe Stunde Skript, mehr ist nicht drin."
- B2: „Ich hab mir feste Zeiten am Wochenende geblockt. Sonst passiert gar nichts, ehrlich."
- B3: „Wenn im Job ein Projekt reinkommt, ist das Studium erstmal zwei Wochen weg vom Fenster."
- B4: „Am Anfang wollte ich alles perfekt machen und jedes Buch komplett lesen. Das hat mich fast fertiggemacht."
Jede Aussage bekommt die Hauptkategorie und dazu eine Subkategorie, die du direkt aus der Aussage ableitest. In eine Tabelle gebracht sieht das so aus, mit den Fällen in den Zeilen:
| Fall | Aussage (gekürzt) | Subkategorie (induktiv) |
|---|---|---|
| B1 | abends nach Job und Kindern nur ~30 Min Lernzeit | Zeitknappheit durch Mehrfachbelastung |
| B2 | feste Wochenend-Zeiten geblockt, sonst passiert nichts | Feste Routinen als Gegenmittel |
| B3 | Job-Projekt verdrängt das Studium für zwei Wochen | Zeitknappheit durch Belastungsspitzen |
| B4 | Anspruch, alles perfekt und vollständig zu lesen | Perfektionsanspruch als Hürde |
Aus vier Aussagen sind unter der Hauptkategorie drei Subkategorien geworden: Zeitknappheit, feste Routinen und Perfektionsanspruch. B1 und B3 laufen in derselben Subkategorie zusammen, beide beschreiben Zeitknappheit, nur aus verschiedenen Gründen. Legst du in einer echten Arbeit mehrere Hauptkategorien nebeneinander, wird aus dieser Tabelle die Themenmatrix, das typische Kuckartz-Ergebnis: Sie zeigt dir auf einen Blick, welche Muster sich über die Fälle hinweg wiederholen.
Brauchst du MAXQDA? Software und KI
Kuckartz und Rädiker sind die Schule, die die Software gleich mitdenkt — das Buch heißt im Untertitel „Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz". Das Standardwerkzeug ist MAXQDA: Damit legst du Kategorien an, ziehst sie per Klick über Textstellen, sammelst alle Stellen einer Kategorie an einem Ort und lässt dir die Themenmatrix ausgeben.
Ein wichtiger Satz dazu, damit du dich nicht verrückt machst: Die Software schreibt dir keine Methode vor. Sie organisiert deine Kategorienarbeit, die methodischen Entscheidungen triffst weiterhin du (S. 196). Für eine kleine Arbeit mit wenigen Interviews geht das Kategorisieren auch von Hand oder in einer Tabelle. MAXQDA ist kostenpflichtig (mit Testversion) und spart Zeit, sobald das Material umfangreicher wird.
Und die KI? Kuckartz und Rädiker widmen ihr ein ganzes Kapitel und sehen sie als Werkzeug und Mitdenker über alle Phasen hinweg (S. 262–264). Für den Notfall, wenn du allein schreibst und niemanden zum Gegencodieren hast, nennen sie die KI sogar als „fiktiven zweiten Coder", gegen den du deine eigenen Zuordnungen abgleichst (S. 280). Aber die Leine bleibt kurz: Die Verantwortung für jede Deutung liegt bei dir, und den Ergebnisbericht schreibt die KI nicht (S. 265, 273). Sie hilft beim Zuordnen. Die methodische Entscheidung nimmt sie dir nicht ab.
Kuckartz oder Mayring?
Die Frage kommt spätestens im Kolloquium: „Warum Kuckartz und nicht Mayring?" Beide sind Zitier-Klassiker der qualitativen Inhaltsanalyse, und du solltest den Unterschied in einem Satz erklären können.
Mayring 2022 | Kuckartz/Rädiker 2024a
Mayring 2022
- Linear-regelgeleitet: Analyse in vorab festgelegte Interpretationsschritte zerlegt — die Regelgeleitetheit selbst ist der Gütegarant
- 10-Stufen-Ablaufmodell — die Schritte stehen fest, bevor das Material durchlaufen wird
- Rücksprung als Ausnahme: von Stufe 8 zurück auf Stufe 5/6, danach erneuter Materialdurchlauf
- Kategoriensystem als zentrales Instrument — deduktiv, induktiv oder kombiniert
- Drei Grundtechniken (Zusammenfassung · Explikation · Strukturierung), Auswahl nach Frage, keine feste Reihenfolge
- Wer „nach Mayring" schreibt, bindet sich enger an den vorab dokumentierten Ablauf
Kuckartz/Rädiker 2024a
- Zirkulär: das Ablaufmodell ist ausdrücklich offen — sogar die Forschungsfrage darf sich im Verlauf verändern
- Forschungsfrage im Zentrum, Doppelpfeile zu jeder Station — Nicht-Linearität ist die Grundstruktur
- Zirkularität ist der Normalfall, nicht die Ausnahme; fester erster Schritt = initiierende Textarbeit (sequenziell vollständig lesen)
- Kategorien als Zentrum — deduktiv, induktiv oder deduktiv-induktiv; erfasst das Gesagte wie das Gemeinte
- Drei Varianten: inhaltlich strukturierend · evaluativ · typenbildend
- Wer „nach Kuckartz/Rädiker" arbeitet, kann Rücksprünge leichter begründen
Die kürzeste ehrliche Antwort: Mayring bindet dich enger an einen vorab festgelegten Ablauf — mit ihm begründest du die Methode besonders streng. Kuckartz gibt dir einen offeneren, in Schleifen gedachten Prozess, drei Varianten und die Software gleich dazu. Beide sind zitierfähig. Nur solltest du dich für eine Systematik entscheiden und nicht beide vermischen.
Und wenn dein Betreuer eher Mayring im Kopf hat, ist das kein Drama. Du solltest nur wissen, dass Mayring sich in seinem Buch ausdrücklich von Kuckartz abgrenzt und dessen Ansatz „Einseitigkeiten und Ungenauigkeiten" vorwirft (Mayring 2022, S. 126). Die zwei Schulen sind sich nicht grün. Du entscheidest dich für eine und kannst begründen, warum.
Du zitierst am Ende doch Mayring?

Die andere Schule, Schritt für Schritt: das 10-Stufen-Ablaufmodell, die drei Grundtechniken und die berühmten sieben Schritte — mit durchgespieltem Beispiel.
Wie sicherst du die Güte?
Im Methodenteil brauchst du einen Absatz dazu, warum deine Auswertung glaubwürdig ist. Kuckartz macht das anders als Mayring: statt einer Kriterienliste zwei Ebenen (S. 235). Die interne Studiengüte (ist dein Vorgehen zuverlässig?) prüfst du über eine Checkliste (S. 236–237); die externe Studiengüte (lassen sich die Ergebnisse übertragen?) sicherst du argumentativ statt mit einer Rechnung (S. 250–253). Und den Kappa-Wert, den du vielleicht schon fürchtest, brauchst du für eine qualitative Arbeit nach Kuckartz nicht.
Das ist ein eigenes Thema — mit Checkliste zum Abarbeiten und einem fertigen Muster-Absatz für deinen Methodenteil. Der Beitrag dazu:

Die zwei Ebenen der Studiengüte, die Checkliste zum Abhaken und konsensuelles Codieren statt Kappa — seitengenau, mit Muster für deinen Methodenteil.

Deine Methode musst du im Kolloquium begründen können — hier stehen die Fragen zu deiner Forschungsmethode, mit Antwort-Strategie.
Der ganze Kuckartz in einem Satz: Du baust ein Kategoriensystem, ordnest dein Material in Schleifen statt geradeaus zu, wählst die Variante, die zu deiner Frage passt — und dokumentierst am Ende, wie du vorgegangen bist. Das Beispiel oben zeigt es im Kleinen; an deinem eigenen Material ziehst du genau dasselbe Verfahren durch, nur mit mehr Fällen.
Beste Grüße
Patricia
Häufige Fragen
Welche drei Varianten der qualitativen Inhaltsanalyse gibt es nach Kuckartz?
Kuckartz und Rädiker unterscheiden drei Varianten: die inhaltlich strukturierende (Themen und ihre Ausprägungen), die evaluative (Einschätzung auf einer Skala) und die typenbildende (Fälle zu Typen gruppieren). Welche passt, entscheidet die Forschungsfrage; keine ist höherwertig.
Was ist die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse?
Die inhaltlich strukturierende Variante ordnet das Material nach Themen und arbeitet heraus, was die Befragten zu jedem Thema sagen. Hauptkategorien werden vorab aus der Fragestellung gebildet, Subkategorien induktiv am Material ergänzt. Sie ist die grundlegende der drei Varianten.
Ist die qualitative Inhaltsanalyse eine Erhebungs- oder Auswertungsmethode?
Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine Auswertungsmethode. Sie analysiert bereits vorliegendes Material wie Interviewtranskripte oder Dokumente; die Datenerhebung ist ein eigener, vorgelagerter Schritt. Deshalb lässt sie sich mit verschiedenen Erhebungsverfahren kombinieren.
Wie viele Kategorien braucht eine qualitative Inhaltsanalyse?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Kuckartz und Rädiker raten, unter rund zwanzig Hauptkategorien zu bleiben, weil ein zu großes System unübersichtlich wird. Feinere Subkategorien entstehen darunter am Material.
Welche Software eignet sich für die qualitative Inhaltsanalyse?
Verbreitet ist MAXQDA, mit dem Kategorien angelegt, Textstellen codiert und Auswertungen erstellt werden. Die Software organisiert die Analyse, ersetzt aber nicht die methodischen Entscheidungen. Für wenige Interviews ist auch eine Auswertung von Hand oder in einer Tabelle möglich.
Mehr dazu
- MAXQDA: Software für qualitative Datenanalyse — Kategorien anlegen, Textstellen codieren und die Themenmatrix ausgeben; kostenpflichtig, mit Testversion.
Belege & Zitationen
Die fachlichen Aussagen dieser Seite stützen sich auf:
- Kuckartz, Udo / Rädiker, Stefan (2024): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz, 6. Auflage, Weinheim: Beltz Juventa — Definition der Methode (S. 39), Auswertungs- statt Erhebungsmethode (S. 44–45), Vorwissen und Kontext als Voraussetzung (S. 30), zirkuläres Ablaufmodell und initiierende Textarbeit (S. 106, 119), die drei Varianten (S. 104, 129–130, 157, 176), Kategorienbildung (S. 61–63, 71–73, 82–83, 90–93, 102–103), Codierprozess und konsensuelles Codieren (S. 91, 135–137, 142), Software und KI (S. 196, 262–265, 280), interne und externe Studiengüte (S. 235–237, 250–253).
- Mayring, Philipp (2022): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken, 13. Neuausgabe, Weinheim: Julius Beltz GmbH & Co. KG — Abgrenzung zur Konzeption von Kuckartz (S. 126).
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