Deine, meine unsere Feel-Good-Reflexion

Zweite Woche in Folge kein Studi-Dashboard. Früher hätte ich mich dafür fertiggemacht — heute bekommst du stattdessen die Anleitung für meine Feel-Good-Reflexion.

Also. Das Studi-Dashboard, das ich dir vor zwei Wochen versprochen habe, gibt es immer noch nicht. Zweite Woche in Folge. Stattdessen bekommst du jetzt schon wieder eine andere Anleitung.

Eine Feel-Good-Reflexions-Anleitung. Und warum ausgerechnet die?

Du kennst das bestimmt. Du hast gearbeitet, du warst in der Vorlesung, du hast die Wäsche gemacht und den Einkauf geschleppt, und irgendwer wollte auch noch, dass du endlich mal zurückrufst. Du hast die ganze Woche funktioniert. Sonntagabend sitzt du da und denkst: nichts geschafft. Im Gegenteil, du siehst vor allem die lange Liste von dem, was noch offen ist.

Das stimmt aber nicht. Das ist eine verzerrte Wahrnehmung. Du weißt nur nicht mehr, was du nebenbei alles geleistet hast.

Bei mir ist das genauso. Schon wieder ist das Video nicht fertig, und das fällt als Erstes auf.

Ich könnte mir das vorwerfen. Früher hätte ich das auch getan, und zwar ausgiebig. Mache ich aber nicht mehr, und genau darum geht es heute.

Damit es dir, mir und uns allen besser geht!

Was ich seit gut einem Monat anders mache

Ich setze mich einmal die Woche hin und lasse mir vorlegen, was tatsächlich passiert ist. Nicht was ich hätte tun sollen. Was passiert ist.

Und zwar in dieser Reihenfolge, die ist wichtig: erst die nackte Liste, dann die Fragen. Kein Kommentar, keine Note, kein „da wäre mehr drin gewesen”. Nur die Fakten, nach Bereichen sortiert.

Ein Beispiel. Das hier ist meine echte Liste von Anfang Juli:

Website-Projekt — Seitenstruktur neu sortiert, Button-System von sechs Varianten auf vier eingedampft, bei Google angemeldet. Zwei teure Fehler in der Automatik gefunden und gestopft (einer hat pro Durchlauf sechs Stunden Rechenzeit verbrannt, jetzt sind es zwei Minuten). Farb-Durchgang auf Barrierefreiheit, drei Marken durchgeprüft. Eine Build-Story geschrieben und veröffentlicht. 
RockyourStudium — Instagram-Pipeline war kaputt, Ursache gefunden, repariert, 257 Links einzeln nachgeprüft, Fix am 03.07. live. Farb-Durchgang auch hier. 
Nebenprojekt — am 02.07. von null auf live. Am 05.07. großer Aufräum-Tag: 13 Änderungen, mehrere Fehler gefixt, Login gebaut, Sicherheit nachgezogen.
Organisation — Dashboard neu gebaut, Saisonplan gebaut und als eigene App verpackt, zweiter Laptop aufgesetzt, 20 Werkzeuge einzeln durchgeprüft. 
Strategie — Quartalsplanung fertig entworfen und unterschrieben. Gesundheit als Anker gesetzt. 
Studium — Abgabefrist entschärft: Abgabe jetzt im Oktober statt am 06.07.

Das war eine Woche. Und jetzt kommt der Teil, der mich umgehauen hat.

In derselben Liste, ein paar Zeilen weiter unten, steht die Frage „Was drückt dich gerade?”. Meine Antwort darauf war ein einziger Satz:

Das Video ist noch nicht aufgenommen.

Das war Anfang Juli. Du ahnst, welches Video.

Das ist die verzerrte Wahrnehmung, von der ich oben rede. Da steht eine Wand voll erledigter Dinge, und im Kopf war trotzdem nur das eine, das fehlte. Neu war für mich, dass ich beides nebeneinander sehen konnte. Ich musste mir nicht einreden, dass die Woche in Ordnung war. Es stand ja da.

Und deshalb kann ich dir heute entspannt sagen: schon wieder kein Dashboard. Es ist eine Menge passiert diese Woche. Eine Menge Gutes sogar. Das reicht völlig.

Schritt 1: Das Logbuch, das die Woche für dich mitschreibt

Weil du am Sonntag den Dienstag nicht mehr weißt, brauchst du unter der Woche eine Zeile. Nicht mehr. Ich mache das mit Claude, ChatGPT tut es genauso.

Einmal einrichten: neuen Chat aufmachen, das hier reinkippen — und diesen einen Chat die ganze Woche offen lassen, sonst ist alles wieder weg.

Prompt Claude Opus 4.8

Du bist mein Studi-Logbuch. Zwei Aufgaben, sonst nichts.

1) LOGGEN Alles, was ich dir schicke, trägst du mit Wochentag ein. Du antwortest nur mit "notiert". Kein Lob, keine Rückfrage, kein Verbesserungsvorschlag, keine Zusammenfassung. Es zählt alles: Studium, Job, Haushalt, Menschen, ich selbst. Auch Kleinkram. Auch Abgebrochenes. Auch "war platt, nichts gemacht".

2) WOCHENLISTE Wenn ich "Wochenliste" schreibe, gibst du alles zurück, was ich in den letzten sieben Tagen geschickt habe. Nach den fünf Bereichen sortiert, als nüchterne Aufzählung, mit Wochentag. Keine Bewertung. Keine Zusammenfassung. Kein "du hast viel geschafft". Nur das, was dasteht.

Frag mich jetzt nichts weiter. Antworte nur: "Logbuch steht."

Und dann, einmal am Tag: reinschreiben, was war. Dreißig Sekunden, im Bus, beim Zähneputzen. „Di: Vorlesung, Wäsche, Kapitel 3 angefangen und wieder zugemacht.” Fertig.

⚡️ Der Fehler, der das Ganze kaputtmacht: nur die guten Sachen loggen. Der abgebrochene Nachmittag gehört rein. Sonst baust du dir dieselbe verzerrte Liste noch mal, nur digital.

Schritt 2: Deine fünf Fragen für den Sonntag

Am Sonntag schreibst du „Wochenliste” — und liest sie erst mal einfach. Ohne Kommentar. Und dann erst gehst du die Fragen durch:

1️⃣ Highlight. Was war der schönste Moment dieser Woche? (Rumspielen und Rumprobieren zählt vollständig.)

2️⃣ Energie. Was hat dir Energie gegeben, und was hat welche gezogen?

3️⃣ Druck. Was liegt gerade rum und drückt dich?

4️⃣ Loslassen. Was davon nimmst du nicht mit in die nächste Woche? Was darf weg oder warten?

5️⃣ Mitnehmen. Ein Satz. Was nimmst du mit?

Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Fängst du mit den Fragen an, beantwortest du sie aus dem Gefühl heraus — und das Gefühl ist ja genau das Problem.

Willst du die ausführliche Fassung?

Das oben reicht, um am Sonntag anzufangen. Bei mir füllt sich das Logbuch inzwischen weitgehend von allein, ich muss abends nichts mehr tippen — das ist aber ein bisschen Bastelei und passt nicht in eine Mail.

Wenn du die willst, antworte mir einfach kurz auf diese Mail. Ein Wort reicht:

Anleitung für die Feel-Good-Reflexion.

Kommen genug zurück, schreibe ich sie auf und du bekommst sie hier. (Das Dashboard-Video übrigens auch noch. Irgendwann.)

Beste Grüße, Patricia

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